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6. Oktober 2012

Randnotiz

Backpacker. Sie sind verschrien als eine ganz eigene Spezies.

Der ursprünglich aus dem Englischen abgeleitete Begriff soll für Rucksacktourismus im eigentlichen Sinne stehen. Für viele ist das aber nicht nur eine Art des Reisens sondern eine ganze Lebenseinstellung. Man will sich kostengünstig durch die Welt treiben lassen, schläft bevorzugt in Zwölf-Bett-Schlafsäalen und hat den "Lonely Planet" entweder zur persönlichen Reisebibel erklärt oder verteufelt ihn als personifizierten Anti-Christ und Schöpfer des "Banana-Pancake-Trail".

S - T - O - P

Wir sehen es ganz pragmatisch.
An vielen Reisezielen fehlt es der Spezies der "Hartschalenkofferzieher" an entsprechender Infrastruktur, die bequemes An- und Abreisen sicherstellen könnte. Seine 7 Sachen auf dem Rücken zu haben, hat daher schlichtweg Vorteile in puncto Bequemlichkeit und Beweglichkeit.
Ansonsten ist es wie immer und überall: jeder macht sein eigenes Tempo, setzt eigene Prioritäten und ist auf der Suche nach der individuellen glücklichmachenden Reiseroute.

Sollten Euch also diese beiden (bepackten) Gestalten irgendwo begegnen, 


Backpacker, der
Backpackerin, die














schreckt nicht zurück. Sie sind  wahrscheinlich gerade auf der Suche

- nach einem netten, entspannten Ort
- einer günstigen, sauberen Unterkunft
- einer erschwinglichen, leckeren Mahlzeit
- dem Bahnhof, Bus- oder Taxistand bzw. Flughafen
- nach Schatten oder
- nach einer Dusche

Keine Sorge: die beißen nicht, die wollen nur reisen.


20. August 2012

Wir ham kein Haus, kein Äffchen und kein Pferd... aber sonst ne ganze Menge

Wenn man sich auf eine Reise mit so wenig Balast wie nötig und gerade soviel Kram wie nützlich (oder genau umgekehrt?) vorbereitet, stellt man sehr schnell fest, wieviel man eigentlich wirklich besitzt.
Also gemeint ist Besitz im Sinne von Sachen, Dinge, Gegenstände, Kram, Gedöns, Tinnef schlicht: Zeugs. Der umgibt uns jedenfalls zu Hauf.

Zugegeben, es ist ja auch immer wieder schön, wenn kleine und große Helferlein einem den Alltag erleichtern und JA man ist schon auch irgendwie sowas wie traurig, wenn sie unverhofft und verfrüht den Weg alles Irdischen gehen oder die kleinsten Dinge plötzlich die längsten Beine bekommen.
Fakt ist: nicht alles braucht man wirklich und so einiges kann man entweder gleich von Anfang an oder nach einiger Zeit gar nicht mehr so richtig leiden. Alle Dinge dieser Kategorien haben dann jedoch in den meisten Fällen auf ganz wundersame Weise die höchste Lebensdauer - dat schlimmste Zeug setzt sich oft am hartnäckigsten fest!

Dem kann man eigentlich nur beikommen, indem man es irgendwie schafft sich ein für alle Mal zu trennen. Zack  u n d  Tschüss. 
Ein geradezu perfekter Trennungsgrund ist natürlich ein Umzug. Wenn halt das alte In- nicht mehr zum neuen Exterieur passt, dann muss notgedrungen irgendwie ausgesiebt werden.

Wir haben uns entschlossen die Casting-Regularien für unseren Hausrat nun noch nen Ticken zu verschärfen, indem eine radikale räumliche Verkleinerung vorgenommen wird: aus 67,5 m² bewohnter Nutzfläche plus weitläufigem Kellergelass ging's auf bzw. in ca. 20 m² großzügig zur Verfügung gestellte familiäre Dachboden- und Lagerflächen. "Zu groß, zu schwer" ist hierbei ein eindeutiges KO-Kriterium.

Das Gefühl nicht obdach- aber sehr wohl wohnungslos zu sein lässt uns nun irgendwie recht sorglos in die Zukunft blicken, denn nun wird der allerallerhartnäckigste Krams wohlverwahrt ein Jahr lang auf uns warten. 
"Eventually all the things you own end up owning you." Tja, da hat Tyler Durden wohl irgendwie Recht.

Danke, dass ihr für uns ausharren werdet, Weihnachtslichterkette mit den 4 kaputten Birnen und Ü-Ei-Figuren-Sammelsurium. We'll be back!


19. Juni 2012

Incredible India – ein Vorgeschmack

Reisen ins außereuropäische Ausland versprechen in vielen Fällen aufregend zu sein. Man trifft auf andere Kulturen, wird 500m gegen den Wind schon als Touri enttarnt und um überhaupt erstmal dorthin zu kommen übertritt man Grenzen.
Grenzen…? Diese durchgezogenen roten Linien auf der Weltkarte? Haben wir doch in Europa auch.
Stimmt. Aber nach der Abschaffung der stationären Grenzkontrollen an den Binnengrenzen der sogenannten Schengenstaaten, der Schaffung eines "Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts" und dem mittlerweile umgesetzten Wegfall der Personenkontrollen an den Binnengrenzen bei gleichzeitigem Ausbau der Kontrollen an der Schengen-Außengrenze…äh...- Klugscheiß-Modus >off< -
Naja, also mittlerweile weiß Otto Normalbürger bei all der freizügigen innereuropäischen Herum-Vagabundiererei oft gar nicht mehr so richtig wie es eigentlich ist, irgendwo vorher lieb anfragen zu müssen, ob er auch mit "rein" darf. Dass man plötzlich in Dänemark ist, merkt man schließlich auch meist erst daran, dass am Vorwegweiser plötzlich 'Kolding' steht.

Indien möchte uns also gern schon kennenlernen bevor wir ankommen – zumindest auf dem Papier. Wie nett. Also flux online ein paar Daten eintragen und ab geht's? Fast.
Den online ausgefüllten Visa-Antrag muss man versehen mit zwei biometrischen Verbrecher-Fotos auf denen (Achtung!) "neben dem Kopf auch der Ansatz der Schultern zu sehen sein muss" und natürlich dem eigenen Reisepass ans Indische Generalkonsulat schicken. Reisepass per Post auf Reisen schicken? Mit der 'Deutschen Post'??? Kann man machen, wenn man "reise-Pass" sehr wörtlich nimmt.
Alternativ: online ausgefüllten Antrag ausdrucken und alles selbst zur IGCS tragen. Dort findet man auch einen Fotofix-Automaten der für schlanke 8,- EUR vier zensurbedürftige Passbilder im indischen Format erstellen kann.
Für den leise stöhnend bürokratie-empfindlichen Otto Normalbürger sei jedoch erwähnt: man muss in jedem Fall Wartezeit und ein ausbalanciertes Chakra dorthin mitbringen. Auf ein Heer von 5-15 gleichzeitig wartenden Antragstellern und Visa-Abholern können im Zweifelsfall genau 0 Service-Mitarbeiter kommen. Schon blöd, wenn alle immer gleichzeitig in Kundentelefonaten festhängen. Wenigstens der große Flat-Screen mit inszenierten Geschichtsreportagen in Dauerschleife kann für einen Mehrwert bei all der Rumwarterei sorgen.
Ist man dann irgendwann bis in den Kassenraum vorgedrungen, empfiehlt es sich äußerste Ruhe zu bewahren, sobald die Feststellung reift, dass man die Gebühr in Höhe von 67,50 EUR nicht mit Karte, ja – mit keiner Art von Plastik-Geld (!), bezahlen kann. Nur Bares ist Wahres.
Nix Passendes dabei? Gut, dass die Tankstelle 800m die Straße runter über einen Geldautomaten verfügt. Schade, dass man bei Rückkehr von dort wieder ganz hinten in der Schlange steht.
Am Ende lohnt sich aber auch diese kleine Schleife zu 100%, denn nach gerade einmal 28 Std. Bearbeitungszeit liegen Visum und Pass tatsächlich schon wieder zur Abholung bereit. Wer hätte das gedacht?

Incredible !ndia

12. Juni 2012

Pieks, du bist!


"So, jetzt könnte es kurz mal pieksen…"

… und dann können sie ruhig kommen, diese fiesen infektiösen Partikel und Kleinstlebewesen. Wir können sie nicht sehen, aber sie sind im Großen und Ganzen betrachtet definitiv in der Mehrzahl. Einige von ihnen sind schon gute Bekannte. Manche werden sich garantiert freuen mit uns mit und endlich auch mal "raus" zu kommen. Andere lauern in subtropischen stehenden Gewässern und Fledermaus-Bissen...

Salmonella Typhi, Clostridium tetani, Rabies virus - sind die wohlklingenden Namen einiger dieser klitzekleinen Zeitgenossen, die Weltenbummlern gehörig den ganz großen Spaß verderben könnten. KÖNNTEN. Pö, bei uns werden sie keine Chance haben!

Impfen ist genauso wie die Wahl der individuellen Reiseroute oder die Entscheidung pro vs. contra eigenes Moskitonetz (pro.) eine Glaubensfrage. Uns wurde die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen das Impfen zum Glück schon in frühen Kindertagen von der parental Generation abgenommen und so können wir getreu dem Motto "Nu is auch egal, scheint ja was dran zu sein." nochmal 'ne Schippe… äh Spritze… drauf legen.

Für die Beseitigung letzter Zweifel, für die Selbstdiagnose was noch aufgefrischt werden müsste und um die Kosten für dieses präventiv-medizinische Bungee-Seil abzuschätzen waren einige Seiten im Netz ganz hilfreich, allen voran:

(die ist auch toll zur Abschreckung ;)

Die 'Lizenz zum pieksen' hat übrigens grundsätzlich jeder Arzt, egal ob er sich auch "Reisemediziner" nennt oder nicht. Impfstoffe für ausgefallene Wünsche muss man sich allerdings auf Rezept selbst von der Apotheke holen. Selbige sind auch ein Garant schnell mit dem Praxispersonal ins Palawern über Reiseroute und -planung zu kommen:

"Wir bräuchten einen Impftermin."

"Ja, was soll denn gemacht werden?"

"Naja, gepiekst soll werden. Gegen Typhus und Tollwut."

"TOLL-WUUUUT? Wo wollen Sie denn hin?????"

"Öh, ganz weit weg halt."

19. Mai 2012

100...

Es ist soweit. Aus gegebenem Anlass. Der erste Eintrag hier in unserem Blog. Angelehnt an dieses famose Video einer Gruppe aus dem Norden Deutschlands:




Nur noch 100 Tage
dann geh'n wir auf Reise
Welt, hey wir komm'
Leider geil

Wir packen uns're Sachen
in einen großen Rucksack
weniger ist mehr
Leider geil

Andre kaufen Häuser
manche machen Kinder
wir ziehn erstma los
Leider geil

Träume sollt ihr leben
sagten uns're Eltern
Recht ham sie gehabt
Leider geil

Tut doch nicht so
ihr wollt es doch auch
wir zieh'n um die Welt
guckt euch doch um
es ist an der Zeit
wenn nicht jetzt wann denn dann

Erfahrungen erleben
Erlebnisse erfahren
darum sone Reise
Leider geil

Fremde Kulturen
Neue Gesichter
können's kaum erwarten
Leider geil

Gerüche und Geräusche
Farben und Geschmäcker
Alles so ganz anders
Leider geil

Freiheit und Adventure
Gelassenheit und Glück
wir woll'n mehr davon
Leider geil

Tut doch nicht so
ihr wollt es doch auch
wir zieh'n um die Welt
guckt euch doch um
es ist an der Zeit
wenn nicht jetzt wann denn dann

Die Menschen die wir lieben
die werden wir vermissen
wir komm' wohl zurück
Leider geil

Die Entdecker in uns
sie brechen endlich aus
es wurde auch Zeit
Leider geil

100 Tage, 2.400 Stunden
144.000 Minuten
gleich sind wir weg
Leider geil

365 Tage
liegen bald vor uns
wir werden sie nutzen
Carpe Diem